Fußballturniere bilden für viele Kinder eine willkommene Abwechslung und einen echten Höhepunkt im Vereinsspieljahr. Sich mit anderen Teams zu messen, macht Spaß und fördert die Leistungsentwicklung. Auch Mannschaftsgeist und Zusammenhalt profitieren vom gemeinschaftlichen Erlebnis mit typischem Turnierflair. Damit ein Turnier für die Spielerinnen und Spieler auch wirklich zum Erlebnis wird, sollte es allerdings gut vorbereitet und organisiert sein. Für die praktische Turnierorganisation bietet beispielsweise die DFB-Website verschiedene Arbeitshilfen, Planungsunterlagen, Checklisten und Turnierpläne zur Weiterverwendung an. Außerdem pflegt der DFB eine umfangreiche Turnierbörse für Jungen- und Mädchenteams aller Altersklassen.

Damit das Turnier für die teilnehmenden Kinder auch eine sportlich wertvolle Erfahrung wird, ist eine der jeweiligen Altersklasse angemessene Turnierspielform zu wählen. Auf der genannten DFB-Webseite können dazu über zwanzig Spielpläne kostenlos runtergeladen werden. Die programmierten und individualisierbaren Excel-Spielpläne ermitteln die Tabellenstände und Ansetzungen von Platzierungsspielen automatisch.

Altersgerecht angepasster Turniermodus

Entsprechend den allgemein anerkannten Leitlinien für den Kinderfußball, abwechslungsreiche Spielformen anzubieten und schnelle Lern- und Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, ist der gewählte Turniermodus hinsichtlich kleiner Spielfelder, kleiner Spielgruppen und kurzer Spielzeiten der betreffenden Altersklasse anzupassen. Neben den Vorgaben der Richtlinien für Fußball-Veranstaltungen der Junioren und Juniorinnen (Anhang III der DFB-Jugendordnung) sind dabei auch die SFV-Richtlinien für Fußballspiel auf Kleinfeld zu beachten. Selbstverständlich sollte es auch sein, insbesondere bei Turnieren der Bambini und F-Junioren, die Regeln der Fair Play Liga umzusetzen.

Der SFV wird an dieser Stelle in loser Folge Turnierformen vorstellen, die diesen Ansprüchen in besonderer Weise gerecht werden.

Martin Hammel, Nachwuchstrainer beim SV Lindenau 1848 und am Talentstützpunkt Leipzig, hat das Standardmodell für 8er-Turniere dahingehend modifiziert, dass es den Ansprüchen von Spielerinnen und Spielern jüngerer Altersklassen besser gerecht wird.

Bei dem Modus entfallen nach der Vorrunde, in der die teilnehmenden Mannschaften wie gewöhnlich in zwei Vierergruppen gegeneinander antreten, die sonst üblichen Überkreuz-, Platzierungs- und Finalspiele. Stattdessen werden die Mannschaften anhand der in der Vorrunde erreichten Platzierung für die Siegerermittlung in der Endrunde erneut in zwei Vierergruppen eingeteilt: die Erst- und Zweitplatzierten der beiden Vorrundengruppen kommen in die sogenannte Goldrunde, die Dritt- und Viertplatzierten in die Silberrunde. In der Gold- und Silberrunde bestreitet jedes Team nochmals zwei Spiele, nämlich gegen die beiden Teams aus der jeweils anderen Vorrundengruppe. Das Ergebnis gegen den Gegner aus der eigenen Vorrundengruppe wird in die Endrunde übernommen. Anhand dieser drei Spielergebnisse – ein Spiel aus der Vorrunde, zwei Spiele aus der Endrunde – werden die Abschlussplatzierungen ermittelt und Platz Vier bis Eins der jeweiligen Gruppe geehrt.

Der wesentliche Vorteil gegenüber dem „normalen“ Turniermodus ist, dass auf Spiele mit K.O.- oder Endspielcharakter verzichtet wird. Mit der leistungsbezogenen Neueinteilung nach der Vorrunde spielen die Teams in der Endrunde gegen Mannschaften, die eher ihrem Leistungsniveau entsprechen. Für leistungsschwächere Mannschaften werden Torerfolge oder Punktgewinne somit wahrscheinlicher, für die leistungsstärkeren Mannschaften bewirken die höheren Spiel- und Leistungsanforderungen positive Effekte für die Spieler- bzw. Talententwicklung.

Bei der Turnierform ist für alle Mannschaften bis zum Turnierende alles möglich. Selbst ein Team, das in der Vorrundengruppe auf Platz Drei oder Vier landet, kann die Silberrunde noch gewinnen. Die Wahrscheinlichkeit, das Turnier mit einem positiven Erlebnis abzuschließen, ist somit höher. Verantwortungsbewusste Kindertrainer werden ergebnisorientierte Aufstellungen und Spielerwechsel vermeiden und alle Kinder können unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit gleiche Einsatzzeiten erhalten. Zudem bestreitet jedes Turnierteam die gleiche Anzahl an Spielen und Wiederholungen von Spielpaarungen sind ausgeschlossen.

Martin Hammel empfiehlt darüber hinaus, die üblichen Einzelauszeichnungen (Bester Torwart, Spieler und Torschütze) nicht vorzunehmen, da diese meist positionsspezifisch vergeben werden und im Kinderfußball als Anerkennungsinstrument eher ungeeignet sind. Alternativ kann eine Turnierauswahl mit je einem Spieler aus jeder Mannschaft geehrt werden. Weil die Mannschaftstrainer ihre Spieler selbst am besten einschätzen können, sollten sie auch entscheiden, wer sich für die Berufung in das All-Star-Team empfiehlt. So kann pädagogisch wertvolles Lob verteilt werden.

Diese neue Turnieridee ist in der Praxis bereits problemlos getestet und umgesetzt worden, zum Beispiel bei den traditionellen Weihnachtsturnieren des SV Lindenau 1848. Anfängliche Skepsis wich dort schnell der Überzeugung, dass der Modus Vorteile für die beteiligten Kinder mit sich bringt. Auch die Übungsleiter und Eltern der Gäste-Teams gaben ein überwiegend positives Feedback. Mittlerweile werden alle Kleinfeldturniere in der Halle und im Freien, die der SV Lindenau selbst organisiert, nach dem neuen Modell, das nun auch anderen Vereinen empfohlen sei, gespielt.